Cardigans

Super Extra Gravity

Wer hätte gedacht, dass die Cardigans hier mit Super Extra Gravity doch mal echte Kunst liefern- was Wunder: Da applaudiert sogar die Spex. Gerade von dort habe ich noch einen bösen Verriss über die "Cardi-Gans" in Erinnerung. Nun gut- die Sache mit Tom Jones/Mousse T. taugte seinerzeit wirklich nicht als Witz, aber es war die Zeit, als eben jenes Blatt jeglichen Gitarrensound in den Mülleimer zu werfen trachtete.
Nach Pleite und Generationswechsel hat man sich dort wieder eines besseren besonnen und kann so den Cardigans verdienten Respekt zollen, denen mit Super Extra Gravity wirklich ein reifes Werk geglückt ist. Und was ich mal wieder am besten finde: Super Extra Gravity will gar kein reifes Werk sein- die Cardigans machen einfach nur das, was sie am besten können. Und das ist eben eine ganze Menge mehr, als einige Misantropen ihnen jemals zugetraut hätten.
Da gefällt mir schonmal besonders der ohrenscheinlich bewusste Umgang mit der Stimmung: Melancholie ist die klare Grundtenz, aber sie wird an keiner Stelle mit Gewalt ins Rampenlicht gezerrt- sie ist eben da und fertig.
Was sicherlich zu einem großen Teil an Nina Persson liegt, die das an keiner Stelle kokett zu Schau stellt. Das ist die entspannte Haltung einer erfahrenen Frau, die genau deswegen keine Lust hat, irgendwie besserwisserisch auftreten zu wollen. Was in gleicher Weise auch für die anderen Cardigans gilt: Sie haben viel gesehen und gehört, werden aber weder sentimental noch krampfhaft upfront, sondern verwenden ihr Wissen für eine eigene Perspektive und die rockt auf Super Extra Gravity erfreulicherweise auch viel mehr, als irgendwelche Vorzeige-Sensibelchen das hinbekommen.

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