Kettcar

Du und wieviel von deinen Freunden


Kettcar lieferten anno 02 mit Du und wieviel von deinen Freunden einen Überraschungserfolg ab. Besonders dumm erwischt: Die Spex, die Kettcars Erstling in jenem Jahr gar nicht besprach, um sie dann Jahre später (anlässliche des Nachfolgers ;-) vom seinerzeitigen Herausgeber Uwe Viehmann höchstselbst zur Jahrzehntplatte hochzujazzen. Mag an der speziellen Geschichte des Blattes liegen (von der Indie-Institution schlechthin zur Pop-Postille für alles mögliche und wieder zurück) und vielleicht daran, dass dort Blumfeld ca. 10 Jahre lang regelmäßig so bejubelt worden sind, dass abgesehen von Tocotronic für anderes aus dem Kielwasser der Hamburger Schule kaum Platz war. Prompt kam die Überraschung als deutschsprachiger Gitarren-Pop plötzlich ein Massenphänomen wurde.

An diesem Wendepunkt fand Kettcars Du und wieviel von deinen Freunden reichlich Gehör. Was weniger verwundert, wenn man weiß, dass mit Markus Wiebusch einer der hardest working men der Wasserkante vorn dabei ist: Als Mitglied der Punk-Institution But Alive in den 90ern landauf landab bekannt und auch schon zu Zeiten von deren Ska-Ableger Rantanplan mit einem eigenen Label beschäftigt, gehört er zu denjenigen, denen ich einen solchen Kassenschlager herzlich gönne.
Solche Vorgeschichte ist dem Sound auch hie und da anzuhören, auch wenn gerade nicht versucht wurde, diese Stränge planvoll fortzusetzen. Der Sound ist mehr Indie als Pop, mit recht feinfühlig eingestreuten Elektronik-/Keyboard-Schnipseln, die irgendwelche Elektro-Rock-Mixturen zielsicher vermeiden. Textlich eine entspannt-melancholische Meisterleistung, die sicherlich der Vorarbeit von Jochen Diestelmeyer einiges schuldet, aber dort eben auch nichts abkupfert, sondern den Ansatz locker ins nächste Jahrzehnt transportiert.
Tatsächlich: Durchaus ein Meisterwerk, ich gratuliere.
Das übrigens auch zur Inspiration für ein Buch über Szenerie wurde.

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