Notwist

Neon Golden



Notwist stehen spätestens seit diesem Neon Golden endgültig auf dem Sockel der amtlichen Kulturinstitution, die vom Fanzine bis zum Bildungsbürger-Feuilleton allgemeine Beachtung finden. Geht einhelliger Applaus von Kritikerseite normalerweise mit einer wenig einträglichen Nischenexistenz einher, haben sich The Notwist mit mehr als 10jähriger Kleinarbeit von diesem Level entfernt. Bot zu Anfang der 90er Hardcore noch größtmögliche künstlerische Freiheit, wandten sie sich alsbald aber entspannteren Indie-Sounds zu, die bekanntlich inzwischen Alternative genannt wurden.
Die Entwicklung der Kategorien, die im Laufe der Jahre nicht zuletzt von der Musikpresse auf The Notwist angewendet wurden, ist nicht ganz uninteressant: So wurde die erfolgreiche Integration zeitgemäßer Elektronik in den Rock-Kontext während der 90er als "Post-Rock" gehandelt und nach diversen Annäherungen von elektronischer Seite dann zur letzten Jahrzehntwende passender Indietronics genannt.
Mittlerweile ist nicht zuletzt durch erfolgreiche Bemühungen von anderer Seite inzwischen sogar der lange Zeit untote Begriff Prog-Rock wieder hoffähig geworden.
Vor diesem Hintergrund kam im Laufe der Zeit im Umfeld von The Notwist ein Wachstumsprozess in Gang, der auch am Umfeld sichtbar wird und für die Kleinstadtverhältnisse des bayrischen Weilheim erstaunlich weitverzweigt ist.
So trugen vor allem die in bester Jazz-Manier realisierten Notwist-Seitenprojekte dazu bei, sich weitreichenden Respekt zu erarbeiten. Auch über das befreundete Hausmusik-Label ist die Liste der weitläufigen Collabos inzwischen lang (Lali Puna, Console, Tied & Tickled Trio, Couch, Fred is Dead, Village of Savonga, Mario, ...?)
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Mag sein, dass die nach-punkige Erdung durch Hardcore verhindern konnte, dass die studierten Jazzer in intellektuelle Basteleien abdrifteten. Denn das Publikum mochte das und besucht auch gern die Konzerte der entlegeneren Projekte. Das nenn ich erfolgreiche Synergien.

Vor diesem Hintergrund demonstriert Neon Golden die souveräne Abgeklärtheit von Notwist. Sie wissen ganz genau, was sie tun und denken sich eine Menge dabei. Klingt völlig organisch, funktioniert locker und produziert nichts, was das geneigte Publikum widersprüchlich finden könnte. Keine Ahnung, warum mich das in den rockigeren momenten so an Dinosaur Jr. erinnert. Allerdings ohne Mascis-Genöle und dafür mit top-aktueller Elektronik. Maßarbeit also, wie nicht anders zu erwarten.

Notwist-Links.

Der Sektor Indietronics scheint anno 2005 seinen Status als Innovation verloren zu haben. Wie in solchen Fällen üblich, zeigt sich die Fachpresse zunehmend gelangweilt und bemüht, dem einstigen Hoffnungsträger den "uncool"-Sticker aufzupappen (um ihn dann in 2-5 Jahren wieder als unerwartet "frisch" hervorzukramen). Für mich ein dringender Anlass, das Thema abseits der Marktmechanismen zu diskutieren- mir fehlen dazu allerdings wichtige Basis-Infos.
Eine Skizze der Entwicklung (wann erschienen welche wichtigen Bands auf der Bildfläche?) fände ich nützlich- ein paar Links wären schonmal ein guter Anfang...
...wenn wer von euch zufällig welche kennt?
Anderer Meinung?