Red Hot Chili Peppers

Stadium Arcadium

Als einer, der die Red Hot Chili Peppers einst für ihren heiteren Kickass-Anarchismus liebte, kann ich einige Befangenheit gegenüber Stadium Arcadium kaum verhehlen. Die auch nicht kleiner wird, wenn mir das Album beim notorischen Tonträger-Supermarkt von Platz 1 der Charts in die Hände fällt.
Die Red Hot Chili Peppers sind nunmal nicht von ihrer wechselvollen Geschichte zu trennen, die fast so lang ist wie die des Flagschiffs der hiesigen Pop-Kritik (a.k.a. Spex ;-) Deren ehemaliger Chefredakteur in seiner Besprechung auch nicht anders kann, als sich erstmal an den durchaus historischen Leistungen der Band abzuarbeiten. Und dort thronen nunmal 2 Meilensteine aus mittlerweile lang vergangen Tagen: Der Uplift Mofo Party Plan mit dem Geniestreich, den ersten Buchstaben des P-Funk in jugendlicher Unbekümmertheit mit Punk zu übersetzen- eine fröhliche Kernfusion, ohne die es 10 Jahre später wohl keinen Nu Metal gegeben hätte. Und fast noch monolithischer Blood Sugar Sex Magic, das den Punk zurück fuhr, ohne ihn zu verleugnen und so zu den Wurzeln des Funk reiste, lange bevor jemand "Retro" schimpfen konnte.
Mag sein, dass der zugehörige Welthit "Under The Bridge" die Red Hot Chili Peppers motivierte, es weiter mit Pop zu versuchen, was zunächst eher unbeholfen glückte. Mit "Californication" klappte das dann schon wesentlich besser- nach der Genesung von John Frusciante kam auch die Rückkehr in die Charts. Allerdings war der Sound nun sozusagen das Gegenteil der nach wie vor nicht zu verleugnenden Surf-Punk-Attitude: Melancholischer Gitarren-Pop mit funky Grooves. Trotzdem kam das unter der Ägide von Producer-Eminenz Rick Rubin so überzeugend, dass sich mehrere Generationen darauf einigen konnten. Nachdem Indie-Pop chartskompatibel geworden war taugte der Hintergrund-Funk offensichtlich als Alleinstehungsmerkmal für alle, die mit Punk nichts (mehr) anfangen konnten oder wollten.
Vor diesem Hintergrund scheinen die Red Hot Chili Peppers auf Stadium Arcadium ihren Frieden mit ihrer Vergangenheit gemacht zu haben. Es gibt wieder mehr Funk- und zwar auch den der spaßigen Sorte (vgl. "Hump De Dump"). Aber nicht zuletzt, wo schon der Opener wieder von ihrem Bundesstaat handelt, ist damit auch die Grundtendenz vorgegeben: Gitarren-Pop- allerdings eben so, wie es sonst keiner macht. Daher haut auch der Titel hin, es ist dieser Tage ein Stadion-Spaß für die ganze Familie. Immerhin: Stadion-Rock der sympathischen Sorte- trotzdem bleiben bei mir nach wie vor gemischte Gefühle zurück...

Anderer Meinung?