Suicidal Tendencies::Bio...

...oder zumindest die Daten, die sich über die Suicidal Tendencies online finden lassen. Denn wie bei vielen Kapellen, deren große Zeiten vor der des Internets liegen, ist es schwierig, vernünftige Web-Sites zu finden. Zusätzlich erschwert wird die Sache durch zeitweisen Weltruhm der Suicidal Tendencies, weswegen sich anscheinend hauptsächlich "Profis" dafür zuständig fühlen. Immerhin habe ich so 2 nette Schwänke über den Anfang der Band zu ausfindig machen können- ich fasse mal zusammen:

Es muss 81/82 gewesen sein, als Mike Muir (Sänger) mit seinem Bruder in eine WG in Venice Beach/L.A. zog, wo auch ein Schlagzeuger hauste. Die WG finanzierte ihre Miete mit dem Veranstalten von Parties und Konzerten, wie die Seite der Aktiengesellschaft "laut" vermerkt. 83 waren die Suicidal Tendencies dann soweit, dass ein Longplayer angegangen werden konnte. Wie mtv auf seiner englischen Seite berichtet, brachte das selbstbetitelte Album beim damals sehr einflussreichen Fanzine Flipside (gibt es die eigentlich noch?) die Wertung "worst band & biggest assholes" ein, was Hardcore-Clown Mike sicherlich als Kompliment genommen hat.
Stilistisch war der Sound der Suicidal Tendencies dem damals noch so genannten Hardcore-Punk verpflichtet, was erst in den Folgejahren schlicht auf Hardcore verkürzt wurde und heutzutage wohl wieder allgemein Punk genannt würde. Konkret: Schnelle, kurze Sachen mit freundlichem Krach-Faktor und Mike's ironischen Texten. Das war damals state of the art: Die Ära der Dead Kennedys war (nach Fresh Fruit For Rotting Vegetables) auf dem Höhepunkt, Black Flag hatten mit "Damaged" den Grundstein zur eigenen Legende gelegt auf der anderen Seite des Kontinents hatte ein gewisser Ian McKaye mit seiner Youth Brigade straight edge erfunden...
Die Suicidals waren aber auch engagierte Skater, zogen das entsprechende Publikum an und wurden so mitverantwortlich für eine ehedem sehr beliebte Abteilung, die sich dementsprechend Skate-Punk nannte (können Zeitgeist-Forscher durchaus als Start der "Trendsportarten" betrachten). Eine inzwischen vergessene, über die 80er aber absolut selbstverständliche Kombination, durch die vieles entwickelt wurde, was nicht zuletzt im Zuge des Nu Metal-Hypes als trendy galt. So skateten die Suicidal Tendencies dann auch ein paar Jahre und ließen musikalisch nichts von sich hören (zumindest in Sachen Tonträger).

War der Style der Suicidal Tendencies anfangs also eher das, was alle anderen auch machten (wenn auch mit eigenem Einschlag), erlangten sie für ein paar Jahre Weltruhm mit einer durchaus radikalen Abkehr vom noch stark Punk-geprägten Sound der frühen 80er.
Bereits anno 87 wäre anderswo im Shobiz sicherlich von einem Comback die Rede gewesen, als die Suicidal Tendencies mit Join the Army einen Trend-setzenden Treffer landeten. Musikalisch war im Hardcore inzwischen eine Menge passiert: Durch die Abkehr vom Knüppel-Punk der frühen 80er hatte sich Hardrock fast als heimlicher Grundkonsens entpuppt. Und genau hier konnten die Suicidal Tendencies nicht zuletzt durch Zukauf professioneller Unterstützung vom Zeitgeist profitieren, was ihnen im Underground selbstverständlich verstärkte Kritik einbrachte.
Vor allem zeigte sich die Medienlandschaft langsam auf die Art und Weise, wie sie uns heute nur allzu vertraut ist: MTV fing in jenen Tagen allmählich an, sich auch für "neue Trends" zu interessieren und machte die Suicidal Tendencies zu den bekanntesten Kopftuchträgern des Planeten- auch das damals ein echtes Mode-Statement: Harte Rocker trugen Kopftuch oder Bandana und Tattoos waren was für ganz wilde Gesellen wie Henry Rollins (Black Flag). Dieser Hype spülte sie für ein paar Jahre in die Hallen von Metallica & Konsorten, für damalige Subkultur-Bewohner ein absolut staunenswerter Erfolg, den man aus heutiger Sicht als ersten Vorgeschmack auf den Goldrausch der frühen 90er sehen kann (Nirvana, Rage Against The Machine, you name it... ;-) Aus ebenso heutiger Perspektive kann ich zumindest den Erfolg dieses Hardrock-Sounds nicht mehr nachvollziehen oder positiv formuliert: Was damals für die Suicidal Tendencies eine sensationelle Leistung war, wurde wohl auch genau deswegen dermaßen Rock-Konsens, dass mittlerweile jede Kellerband sowas mindestens genauso gut hinkriegt. Das ist immerhin auch eine Leistung, in deren Sichtweite 99,99% aller Mucker niemals kommen, hört sich aber heutzutage eher schlapp an, finde ich. Mit Beginn der 90er ging dann auch langsam die Luft raus und "Cyco Miko" Muir begann, nach neuen Herausforderungen zu suchen. Und gedachte, den nächsten großen Trend zu entern: Er gründete zusammen mit Robert Trujillo (hier ist er endlich ;-) das Hardcore-Funk-Projekt Infectious Grooves. Auch ein Gebiet, dass damals seine besten Zeiten schon hinter sich hatte, weswegen die Band eher ein Schattendasein fristete. Nach ein oder zwei Veröffentlichungen war da Schluss (gibt's da draußen wen, der genaueres weiß?).

Die Suicidal Tendencies brachten dann 93 noch Still Cyco After All These Years raus, was schon deutlich nach Abgesang klingt. Und so kam es dann auch ein Jahr später: Nachdem der Underground-Sound der 80er mit neuem Etikett (Alternative) zum Massenspektakel mutiert war, war damit so ziemlich alles, wo sich die Suicidal Tendencies umgetan hatten (Punk, Hardcore, Metal, Funk) erstmal mehr als out- business as usual...
Trotzdem konnte Old Mike wohl nicht ohne und startete zuerst ein Solo-Projekt und reanimierte die Suicidal Tendencies 97 wieder. Das gelang auch überraschend gut: Der Sound war ein Klon aus Infectious Grooves und Skate-Punk (eine Mischung, die ihm nun keiner mehr übel nahm), kam aber unerwartet frisch und man merkte, dass die Kollegen dabei richtig Spaß hatten. Outputs waren Freedumb und Free Your Soul..., soweit ich es mit bekommen habe. Und wenn sie nicht gestorben sind...
...dann weiß hoffentlich wer von euch genaueres: Gib Schub! ;-)