Du und viele von deinen Freunden

Astrid Vits

Astrid Vits reist mit Kettcar durch die landessprachliche Popkultur- sowas hat nicht erst seit gestern so seine Tücken. Gäbe es eine Subkultur wie die, aus der sich einst die Hamburger Schule herauskristallisierte, wäre ein solches Buch mit Sicherheit als Anfang vom Ende angesehen worden. Die Tatsache, dass es dieser Tage gerade keine Subkultur gibt, beleuchtet auch ganz gut, wo diese Szenerie angesiedelt ist.

Auch wenn Astrid Vits es netter Weise nicht allzu plakativ vor sich her trägt, geht es inhaltlich schon um soetwas wie das "tolle neue Ding". Geboten werden nette Interviews mit netten Leuten:
Natürlich die aktuellen Stars Wir sind Helden, Sportfreunde, Tomte, aber auch Leute mit weniger strahlendem Bekanntheitsgrad- z.B. Bernadette La Hengst, Quarks oder Lali Puna. Hauptanliegen ist wohl, "die Szene" (gibt es eine solche?) etwas abseits der üblichen pop-journalistischen Routine möglichst unverkrampft etwas ausführlicher zu Wort kommen zu lassen. Gelingt auch und hat genau die zu vermutenden Schattenseiten: Zwar werden die üblichen Mucker-Statements einigermaßen umschifft, dafür driften die Gespräche schnell in Richtung Smalltalk mit kleinem Informationswert.

Vielleicht ist aber auch für nichtsahnende Pop-Fans spannend, wer alles nicht dabei ist und vor allem warum: Dass Blumfeld sich schärfstens gegen Umarmungsversuche verwahren, wundert mich nur wenig- Fans melancholisch-besinnlichem Gitarren-Pop aber umso mehr (wie ein Blick ins Forum dieser prima Seite zeigt). Sehr gut.
Mehr noch, es formiert sich organisierter Widerstand gegen das neudeutsche Pop-Idyll: I can't relax in D. Ein Blick auf zugehörige Support-Liste sagt wohl alles. Auf der Seite findet sich auch eine gründliche Darstellung zur Situation von Pop & Nationalismus und wie das mit Subkultur, Mainstream & Sozialdemokratie zusammenhängt. Wer einen Überblick sucht, ist dort genau richtig.

Astrid Vits hält sich aus solchen Debatten freundlich heraus, was manchmal gar nicht so unsympathisch ist. Aber spätestens im Gespräch mit Mia wird es dann doch zu blauäugig für meinen Geschmack.
Mein Fazit: Eher klassische Fan-Literatur für Leute, die anderswo keine Interviews mitbekommen (und sich über die Diskographie freuen).

Und anderswo im Netz:

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