Protoplasma: Crossover

Open minded: Anarchie & Dogmatismus

Down to earth: Jede Revolution kommt irgendwann zum Stehen und der Minimalismus, der anfangs Hoffnung bedeutete und Durchschlagskraft sicherte, wurde (wie jedes Dogma) alsbald zur Zwangsjacke. Spätestens, nachdem die erste Welle rund um den Sex Pistols-Hype in kommerzieller Ausschlachtung und Depression geendet hatte, fingen die Leute an, systematisch nach neuen Möglichkeiten zu suchen, um das starre stilistische Korsett zu erweitern.
In Europa lief das mehr unter dem Begriff "Independent", in den USA eher unter "Hardcore". Das waren die beiden "Underground"(-Rock)-Strömungen der 80er, die Grenzen waren fließend. In der zweiten Hälfte der 80er bürgerte sich immer mehr ein, die eher langsamen Ansätze als "Indie" einzusortieren und die heftigeren Sachen als Hardcore. Wobei sich der US-Hardcore schnell in weitere Unterströmungen ausdifferenzierte- ein Prozess, der zum Schluss in den frühen 90ern zu einer Neudefinition von Rock führte.
Schon die Reduktion der Bezeichnung von Hardcore-Punk auf Hardcore sollte Weiterentwicklung anzeigen. Punk=1-2-3-4-Schema- ab ca. 1980 versuchten immer mehr Leute, diese Zwangsjacke los zu werden, ohne dabei an Druck zu verlieren. Das ging sehr gut mit der Punk-Freiheit: Nimm dir jeden Stil, den du kriegen kannst- cross over!
Crossover ist über die gesamten 80er jahre vor allem in Nordamerika eine grundlegende Strategie und eben keine Stilrichtung. Dieses Missverständnis stammt aus den Zeiten des Sellouts zu Beginn der 90er und die "Szene" ist daran nicht ganz unschuldig. Aber der reihe nach- erstmal zu einem Brennpunkt des Geschehens: Denn Black Flag machten Crossover zum grundlegenden Arbeitsprinzip. Vor allem auch mit ihrem Label SST Records.

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