Crossover: Andere Zivilisationen I

Thrash Metal

In den 80ern brodelte die Pop-Kultur an so ziemlich allen Ecken: Die new wave of british heavy metal zeigte nun auch auf der anderen Seite des Atlantiks Wirkung. Der nächsten Generation von Metallern gelang es, den Hardrock-Dinosaurier einer Frischzellenkur zu unterziehen. Zuerst natürlich mit dem Gaspedal- Metallica und Slayer schraubten die Geschwindigkeit in davor und auch danach nicht wieder erreichte Höhen.
Das zog eher ungeplanter Weise den Crossover zur verloren geglaubten Verwandtschaft nach sich. Denn auch die Hardcore-Kids um Bands wie Minor Threat hatten den mittlerweile arg stotternden Motor der ersten Punk-Generation aufgebohrt und so neue Dimensionen erschlossen. Bei den Geschwistern Punk und Metal musste eigentlich niemand ein eigenes Wort für die Collabo erfinden: Die Gemeinsamkeiten waren schon da, bevor irgendwer Crossover rufen konnte. Besonders die New Yorker wie Cromags, Agnostic Front oder Corrosion of Conformidity bedienten sich gern im Metal, was oft weit gehende Publikumsüberschneidungen nach sich zog.
Am weitesten vorn waren allerdings die Bad Brains: Die legten 1982 mit Rock for Light einen geradezu prophetischen Titel vor, der Punks und Metallern schlicht die Münder offen stehen ließ. So etwas hatte vorher tatsächlich noch niemand gehört- maximum speed ohne Edelstahl-Attitüde. Aber dabei blieb es keineswegs- mit "I against I" (1986) ging es mit großer Klarheit in Richtung Metal, womit sie anderen in sachen Crossover weit voraus waren. Ein Jahr später demonstrierten sie mit "The youth are getting restless" (live in Amsterdam) nochmal Hardcore in full effect- "das beste Konzert aller Zeiten" wie ein fast sprachloser Diedrich Diedrichsen für die Spex notierte. Um dann einen Monster-Truck auf die Straße zu legen, der fast den gesamten next-generation-metal der 90er vorweg nehmen sollte. Quickness überließ die Geschwindigkeitswettbewerbe getrost anderen und brachte statt dessen massive Grooves, die mit quietsch-buntem funky-crossover heranwachsender Kappenträger nichts gemein hatten.
Tragischer weise zerbrachen die Bad Brains kurz nach der Veröffentlichung an der Exzentrik von "throat" HR und mussten so andere die Früchte ihrer Arbeit ernten lassen.
Auch sonst gerieten solche Crossover-Basisarbeiten schnell in Vergessenheit. Denn eine Hardcore-Strömung entwickelte mit Lichtgeschwindigkeit solche Masse, dass sie schließlich alles andere aufsog und so etwas wie das schwarze Loch des Crossover wurde (sag ich jetzt mal von heute aus ;-) Funk-Crossover.

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