[SST]

Rezession & Depression

Bei alledem zeigte sich (nicht nur bei SST) ein Grundmuster: Trotz allen Prophetentums waren Ginn und Dukovsky nicht in der Lage, die Früchte ihrer Aufbauarbeit zu ernten. Mag sein, dass sie zu überzeugte Undergrounder waren, um ihr komplettes Label, wie Sub Pop wenig später, an die Großindustrie zu verkaufen. Mag auch sein, dass sie mit ihrer Basisarbeit viel zu beschäftigt waren um zu realisieren, dass SST wirklich "groß" (was immer das auch sei) hätte werden können.
Vor allem aber hatten sie mit "ihren" Leuten ein zwischenmenschliches Problem: Die Bands bekamen von SST zwar künstlerische Freiheit und eine funktionierende Infrastruktur, hatten sich aber ansonsten dem Diktat der beiden Macher zu unterwerfen. Die beiden Chefs verfuhren nach der klassisch-mittelständischen Manier eines Familienunternehmens: Mitspracherechte Fehlanzeige. Die Bands waren gezwungen, sich dem autokratischen Regime der Eigner zu unterwerfen und ihr Produkt letztendlich komplett aus der Hand zu geben. Somit waren Konflikte vorprogrammiert und mit steigender Popularität der einzelnen Bands häuften sich die Vorfälle. Das Ende vom Lied: Besonders die erfolgreichen Bands wanderten regelmäßig dann ab, wenn anderswo bessere Verdienstmöglichkeiten winkten. Für das Label letztendlich eine wirtschaftliche Katastrophe, die mit Beginn der 90er zu einem unaufhaltsamen Niedergang führte. Mittlerweile wird anscheinend nur noch der sogenannte Back-Katalog online verwaltet.
Tja- ein Lehrstück vom Musikgeschäft (falls es noch wer gebraucht hätte).
Trotz Missgeschick und -management stehen die kulturellen Leistungen bei der Runderneuerung des Rock-Sounds klar auf der Haben-Seite von SST- zur Verdeutlichung nochmal die lange Liste einflussreicher SST-Bands:

Einige auffindbare Web-Links zu diesen Zeiten/Bands.

SST-Start

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