Angie Stone

Mahogany Soul


Angie Stone hatte leider das historische Pech, dass diese große Mahogany Soul anno 2001 in einer Zeit erschien, als Erykah Badu künstlerisch kaum zu toppen war. Während die Seelenverkäufer auf der anderen Seite gerade R&B das "Nu Soul"-Etikett aufgeklebt hatten. Der Hype um das "neue" Marktsegment funktionierte bekanntlich: Seither treten Legionen gesangsbegabter Teenie-Schönheiten an, um sich auf dem Massenmarkt feilbieten zu lassen und dann zügig wieder in der Versenkung zu verschwinden.
Angie Stone liegt damit wie Kollegin Jill Scott in jeder Hinsicht quer zum Girlie-Mainstream: Figürlich nahe bei Missy in ihren propersten Tagen angesiedelt, stimmlich den Roots der 70er verpflichtet (und in heutiger Zeit hat sie als Frau aus Philly auch einiges mit den gleichnamigen zu tun).
Hier geht es nicht um den kurzfristigen Charts-Durchmarsch mit möglichst wenig Kleidung. Trotzdem hat Angie Stone vielleicht sogar mehr Sex-Appeal, als irgendwelche Tanzschülerinnen in Hot Pants- und zwar in der Stimme. Höre "So pissed off"- der Kontrast könnte größer kaum sein (und der Subtext kann einen vorbehaltlos zu seltenen Liebestechniken motivieren ;-).
Die Betonung bei dem Titel Mahogany Soul liegt definitiv auf SOUL, das kann hier gar nicht fett genug geschrieben werden. Der Sound ist so konsequent "klassisch", wie es in den 60ern und 70ern noch gar nicht ging. Das bringt Angie Stone mit so lockerer Selbstsicherheit auf den Punkt, dass sie eine Hochglanzveredelung gar nicht nötig hat. Dieser Sound funkelt von ganz allein.
Bleibt zu hoffen, dass sie abseits des großen Blitzlichtgewitters noch eine Zeit in Erinnerung bleiben wird (denn den Status einer Badu hat sie nunmal nicht, obwohl sie dieser an Potenzial nicht nachsteht).
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