Joy Denalane

Mamani

Four Music/Columbia
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Was eine Stimme, was eine unaufdringliche Selbstsicherheit. Mit ruhiger Bestimmtheit legt Joy Denalane mit Mamani gleich mal ein Erstlingswerk von internationalem Format vor, dass mit Sicherheit groß gefeiert würde, wenn es aus den USA käme. Nun ist Joy Denalane aber Berlinerin, die im Umfeld des Stuttgarter Freundeskreis bekannt geworden ist (Bekanntlich wurde deren Kopf Max Herre geehelicht, der Mamani zu großen Teilen produziert hat). Vor allem die Tatsache, dass sie nunmal deutsch singt, steht einem internationalen Durchbruch entgegen. Nicht, dass hierzulande nicht genug applaudiert würde: Kaum jemand hat wie Joy Denalane in den letzten Jahren ein derartig einhellig positives Medienecho mit größtmöglicher Breitenwirkung erzielt- von Viva bis 3sat, von der Spex bis zur Tageszeitung deiner Wahl ist mir kein kritisches Wort bekannt.
Ob ich da mäkeln soll, dass die Texte für meinen Geschmack manchmal zu dicht am Kitschigen vorbeischrammen? Nein- es mag ein Knacks meiner Wahrnehmung sein, sowas soll der Sache hier keinen Abbruch tun.
Denn auch dem Sound-verantwortlichen Gatten gelingt es mühelos, sich neben die US-Stars zu stellen, als ob das ganz selbstverständlich wäre. Mamani braucht den vergleich mit Erykah Badu und Angie Stone nicht zu scheuen- im Gegenteil. Aufgrund des Jazz-Anteils liegt es dichter an Mama's Gun als an Mahogany Soul. Obendrein gelingt es auf sehr entspannte Weise, die südafrikanischen Roots mit ein zu bringen, was der Sache noch eine Extraportion wärme beschert.
Zur Abrundung bringt es Joy Denalane noch fertig, sich sehr kritisch mit dem (R&B-) Biz auseinander zu setzen, so dass ich eigentlich nur noch sagen kann: Großes Werk mit zeitlosen Qualitäten.

Und: Mamani zeigt recht eindrucksvoll, dass Soul auch in der hiesigen Landessprache funktioniert ohne das man sofort an Schlager denken muss. Nach jahrzehntelangem K(r)ampf einheimischer MusikerInnen mit der eigenen Sprache ist das keine kleine Leistung.

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