Krautrock

Phase 1

Tangerine Dream-Gründer Edgar Froese war bereits lange vor der "Erfindung" von Krautrock seit den frühen 60ern als Musiker aktiv und hatte Kunst studiert (was auch sonst ;-) anno 67 gründete er dann Tangerine Dream, die anfangs eher schlicht den damals populären psychedelischen Rock Marke Jefferson Airplane zum besten gab.
Gerade in dieser Sportart gehörte die Krone in den späten 60ern allerdings klar der münchener Hippie-Kommune Amon Düül, die es als einzige deutsche Band auf das Titelblatt des britischen Melody Makers schafften. Auch wenn deren zentrale Werke Yeti und Tanz der Lemminge aus den frühen 70ern stammen. Im Umfeld von Amon Düül scheint das Wort Krautrock erstmals gefallen zu sein. (Die spätere Rundfunk-Journalistin Ingeborg Schober hat über Amon Düül und die Krautrock-Szene übrigens eine nette Innenansicht verfasst.)

Bereits in den späten 60ern genauso populär wie Amon Düül waren Can, die als klassisch ausgebildete Musiker das Kunststück vollbracht hatten, ihre Konventionen völlig über Bord zu werfen und mit Monster Movie einem "Primitivismus" zu huldigen, der erst nach Punk (also 10-20 Jahre später!) richtig groß werden sollte. Zunächst mal ein soundtechnisch sehr eigenständiges Ausrufezeichen, das problemlos neben Velvet Underground's Anfängen stehen kann, deren langer Arm ja bekanntlich vom Punk der ersten Stunde über die Indie-Szene der 80er bis zu den Strokes direkt in die heutige Zeit reicht...
Can gingen den Weg weiter, den sie auf Monster Movie mit Yoo Doo Right schon angedeutet hatten: Stark Beat-lastige Improvisationen, deren minimalistische Instrumentierung auch heute noch manchen Elektronikern imponieren kann. Das auch, weil sie sich im weiteren Verlauf der 70er immer mehr der neuen Elektronik zuwandten. Ihr Zweitwerk Tago Mago machte sie hierzulande zu Stars und das folgende Album Ege Bamyasi wurde der erfolgreichste deutsche Titel der damaligen Zeit.
Danach vertieften sie sich mit pogrammatischen Titeln wie Future Days immer mehr in elektronisch-minimalistische Klangforschung, die zwar nicht mehr ganz die kommerzielle Breitenwirkung der frühen 70er erreichte, dafür aber international zu großer Beachtung führte, die bis heute anhält (wie sich ja an den aktuellen Referenzen von The Mars Volta z.B. wieder sehen lässt).
Trotzdem sehe ich Can's größte Leistungen aus heutiger Perspektive eher auf dem Gebiet von Reduktion und Minimalismus- die direkte elektronische Grundlagenforschung betrieben andere noch wesentlich gründlicher.

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