Krautrock

Science Fiction

Ungefähr zeitgleich mit Can's Tago Mago (71) schlug dann auch die große Stunde von Tangerine Dream, obwohl sie sich zuvor bereits zweimal aufgelöst hatten. Sie machten zunächst mit einer Performance von sich reden: Bauten auf einer österreichischen Bühne 6 Flipper-Automaten auf, deren Geräusche sie klanglich untermalten- Mensch kommuniziert mit Maschine: Das Konzept war schon da, (Jahre!) bevor die Kraftwerker es so deutlich und erfolgreich formulierten.
Danach kam dann mit Tangerine Dreams Zweitling Alpha Centauri die endgültige Etablierung von "kosmischer Musik" (so nannten die das damals tatsächlich ;-). Resultat: Top-Platzierungen in den hiesigen Charts, Auszeichnungen als "Album des Jahres" (1971). Nicht zuletzt das brachte Auftritte mit Pink Floyd ein und mit der BBC-Legende John Peel konnte ein einflussreicher Fan gewonnen werden, wodurch die Popularität auf den britischen Inseln enorm stieg. Während sich im Heimatland anscheinend eher Langeweile breitmachte, weshalb die hiesige Musikindustrie schließlich keinen Vertrag mehr rausrücken wollte.
Das trieb Froese & Co. 1973 direkt in die Arme von Richard Branson's damals frisch gegründeten "Indie-Label" Virgin. Dieses machte sie mit Phaedra zunächst zur erfolgreichsten ausländischen Band in Britannien und auch der Sprung in die USA klappte so mühelos, dass sie sich schließlich über lange Jahre allein von ihren Filmmusik-Aufträgen aus Hollywood ernähren konnten.

Aus heutiger Sicht wäre noch das Umfeld interessant: Der damalige Schlagzeuger Klaus Schulze heuerte nach seinem Ausstieg bei Tangerine Dream anno 69 bei Manuel Göttschings Ashra Temple an, die bis in die frühen 80er hinein recht bekannt waren (allerdings hauptsächlich als vielbeschäftigte Sound-Lieferanten fürs TV). Er selbst stieg alsbald dort wieder aus, um fortan unter eigenem Namen zu veröffentlichen. Ich denke, er kann durchaus als prägender Elektronik-Pionier gelten, auch wenn seine Werke reichlich pastoral mit Dali-Cover und bleischwerem Kunstanspruch daher kamen. Außerdem sollte wohl noch erwähnt werden, dass er noch in den frühen 80ern erfolgreich an die post-punkige science fiction andockte und 2-3 Sachen heraus brachte, die aus heutiger Perspektive einen recht zeitlosen Eindruck machen. Nicht zuletzt auch, weil nach all dem bildungsbürgerlichen ernst etwas Humor Einzug hielt, wie du auf seiner Seite noch sehen kannst (falls ich das aus heutiger Perspektive nicht völlig missverstehe ;-)

Diese Szenerie war wohl das Protoplasma, aus dem 2 Düsseldorfer dann das mediengerechte Konzept der Mensch-Maschine destillierten...

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