[Prog-Rock]

King Crimson

King Crimson waren zwar schon in den 70ern ein ehrfurchtgebietender Monolith der Szene, aber ich sortiere sie jetzt mal hier hin, denn zumindest aus dem Overkill hat sich King Crimson-Chef Robert Fripp recht erfolgreich rausgehalten. Das vielleicht auch, weil er es gar nicht nötig hatte, auf theatralische Weise klassische Kompositionen nachzuspielen- er war selbst gut genug, ähnliches zu verfassen. Deswegen waren King Crimson vielleicht sogar die entschiedensten "E-Musiker" des Prog-Rock, aber Mastermind Fripp erlaubte sich Eigenheiten und Radikales, was bei den Stadionrockern des Prog in dieser Weise nicht in die Tüte kam. Der Erstling "In the Court of the Crimson King" enthielt z.B. den psychedelischen Kracher "21st Century Schiziod Man", den auch spätere Generationen immer noch gut finden konnten.
Danach hatte Robert Fripp King Crimson allerdings erstmal eine schwer klassisch geprägte Auszeit verordnet, aber unter weitgehendem Verzicht auf großtönendes Pathos (dafür aber mit Hang zum Besinnlichen, der für mich stark ins Kitschige tendiert). Auch aufgrund der schrägen Lyrik von Pete Sinfield wurden "In the Wake of Poseidon" und besonders "Lizards" zu schrägen Fantasy-Epen, die sich neben der Theatralik der Kollegen recht rührend ausnahmen.
Danach scheint Fripp in den frühen 70ern einige Tüten mit den Hard-Rockern zu geraucht zu haben, denn nun wurden King Crimson deutlich rockiger. Ergebnis waren Sachen wie "Great Deceiver" (Opener von "Starless & Bible Black"), auf die heutige Rocker wohl auch noch stolz wären.
Meine persönliche Sympathie für die Alben dieser Phase könnte auch daran liegen, dass ich ohne es anfangs wirklich zu wissen, mal wieder den lockeren Grundansatz gewittert habe: Wenn die Babyblauen Seiten korrekt berichten, handelt es sich bei "Larks & Tongues in Aspic" und "Starless & Bible Black" nämlich um kaum nachbearbeitete Live-Aufnahmen, weil Herr Fripp seine Zuarbeiter in jenen Tagen so schnell feuerte, dass keine Zeit für ein Konzept-Album blieb. (Dass sowas mal ein Vorteil sein könnte... ;-)
Mehr nebenbei präsentierte sich Fripp auch als talentierter Elektrobastler, der eigene Geräte entwickelte ("Frippertronics") und mit Brian Eno zusammenarbeitete kurz bevor dieser Ambient in die Welt setzte- was bekanntlich anderthalb Jahrzehnte später als prophetisch gehandelt wurde.
Dieser Hang zur Elektronik ermöglichte es Fripp übrigens, in den 80ern nochmal ein Comback zu bewerkstelligen, ohne sich dabei in die Nesseln zu setzen. Soweit ich das mangels tieferen Interesses erkennen kann, gibt es seitdem alle paar Jahre immer noch mal ein King Crimson-Album für die Fans, was ja keineswegs unsympathisch ist (wenn ich das als Bescheidenheit richtig interpretiere).
Wo King Crimson das Prog-Soll an Klassik streckenweise übererfüllten, gab es noch eine einsame Erscheinung, die sich dem vehement verweigerte und so etwas minimal Prog (sag ich jetzt mal) zustande brachte: Van der Graaf Generator.

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