[Prog-Rock]

Soft Machine

Soft Machine waren wohl die Ersten der Szene, die sich gründlich zwischen die Stühle setzten. Sie reicherten ihren 60er-typischen Psychedelic-Sound frühzeitig mit Free-Jazz-Elementen und anderen Seltsamkeiten. Anfangs waren bei Soft Machine auch schräge Vögel wie Daevid Allen und Kevin Ayers beschäftigt, allerdings wurde alsbald doch lieber als Trio (Schlagzeug, Bass, Orgel) weitergemacht.
Resultat laut Rocklexikon: "Englische Manager speisten die Musiker mit Minimalgagen ab, französische Nachtlokalbesitzer kündigten schon nach dem ersten Auftritt die Verträge, US-Impresarios behandelten die Band bei einer Amerika-Tour 'wie ein Stück Handgepäck'. Eine erste, in den USA produzierte LP wurde daheim in Großbritannien zunächst nicht veröffentlicht". Echte Künstler also ;-) die sich nach eigener Aussage nicht um kommerzielle Aspekte ihres Tuns kümmerten, was sich übrigens auch an den "Titeln" der meisten ihrer Alben sehen lässt- sie wurden mehrheitlich schlicht durchnummeriert.
Nach dieser sympathischen Anfangsphase wurden Soft Machine allerdings zunächst orchestraler, als allen anderen Kollegen. "Third" ist ein Werk von Ausmaßen, wie es nur auf der anderen Seite des Atlantiks in vergleichbarer Weise von Frank Zappa betrieben wurde. Aber es brachte nun Anerkennung der Jazz-Szene (bekanntlich vom Bürgertum als "E-Musik" akzeptiert), was schließlich in einer persönlichen Einladung von Miles Davis gipfelte. Die so geadelten wandten sich daraufhin nach dem schrittweisen Ausstieg sämtlicher Originalmitglieder in den 70ern auch prompt dem Jazzrock zu und produzierten nur noch "Fusion"-Standardware.
Nun gut- auch sowas findet immer wieder Käufer in manchen Digger-Kreisen, aber andere Leute, die sich für etwas mehr als nur Schnipsel als Rohstoff für eigene Basteleien interessieren, können sich ganz gut nach der Nummerierung richten: Die Soft Machine-Alben mit der Nummer (1-7) sind mindestens interessant, die mit Titel (ab "Bundles"?) sind nur Jazzrock/Fusion-Fans geeignet.
Weiterhin erwähnenswert ist vor allem auch, dass sich im Umfeld von Soft Machine einiges ereignete, was nach ihrer Heimatstadt benannt als "Canterbury-Scene" bekannt wurde. Auch wenn Caravan als bekannteste Vertreter (für meinen Geschmack) doch ziemlichen Hippie-Kitsch produzierten, würde ich hier immer noch die nettesten Prog-Rocker sehen. Der auch heute (nicht zuletzt dank Spex ;-) immer noch recht gut bekannte Ex-Schlagzeuger von Soft Machine, Robert Wyatt, verdankt dieser Szene fast alles würde ich mal sagen. Demzufolge ist er auch ein recht gutes Beispiel für den Geist der Canterbury-Scene: Ein engagierter Musiker mit sehr eigenwilligen Ideen abseits von Bombast und Theatralik (sogar streckenweise völlig abseits aller Songstrukturen auf "The End of an Ear") und deswegen natürlich kommerziell weitgehend erfolglos. Weswegen man das durchaus mal wohlwollend als Underground-Prog-Rock bezeichnen kann, wo Interessierte heutzutage vielleicht noch seltsame Artefakte wie Hatfield & The North oder Gilgamesh ausgraben können.
Schließlich zeigten die Aktivitäten von Soft Machine sogar auf dem Kontinent Wirkung, wo ein paar Fans etwas beachtenswertes auf die Beine stellten, das sie Magma nannten.

Anderer Meinung?