[Prog-Rock & Bombast]

Monsters of Prog

Der Startschuss zur Gigantomanie fiel ca. 1971, als Emerson, Lake & Palmer mit "Pictures of an Exhibition" zuerst den Kunstanspruch formulierten und das dann live mit der damals wohl teuersten Bühnentechnik untermalten (wo schließlich feuerspeiende Vulkane zum Einsatz kamen). Pink Floyd zockelten da noch etwas hinterher, setzten aber zügig an, ELP zu übertrumpfen.
Die Kritik von Schmidt-Joos/Graves an Pink Floyd's "mulmigen" Klassik-Zitaten bezog wohl in erster Linie auf die Phase der Alben von "Ummagumma" (69) bis "Obscured by Clouds" (72), was danach kam, konnten sie anscheinend nicht mehr bewerten, weil das Buch rauskam. Und genau da (1973) ereignete sich der Take-Off von Pink Floyd zu dem Phänomen, das dann alle guten Vorsätze schnell vergessen machte.
Das passierte mit "Dark Side of the Moon", genauer gesagt mit dem jahrelangen Hit "Money", der bis tief in die 80er noch durch die Dorfdiskos geisterte. Damit einher ging auch eine Explosion der Bühnentechnik- was in den 60ern noch die sympathischen Züge von Performance-Kunst trug wurde nun zum Mega-Gimmick für die Rock-Arenen der Welt. Berühmt wurde das aufgeblasene Monster-Schwein, dass sie zu dieser Zeit gern durch die Stadien schweben ließen.
"Wish you were here" (76) wurde dann ein kommerziell noch größerer Erfolg, obwohl die Scheibe aber insgesamt eher ruhig gehalten war. Schließlich kam anno 1978 mit "The Wall" die Hyper-Inflation von so ziemlich allem: Kommerz, Kunstanspruch, Bombast- das Fehlen der nötigen Superlative zeigt, dass sie damit tatsächlich irgendwie jenseits von gut und böse waren. Was allerdings viele Vertreter dieser Generation kennzeichnet (z.B. Rolling Stones), die seit den späten 70ern in entlegenen Sphären schweben, die mit dem aktuellen Musikgeschehen nichts mehr zu tun haben. Etwas nüchterner betrachtet lässt sich sicherlich sagen, dass sie zunächst nur die vorhandenen technischen Möglichkeiten voll ausschöpften (was ja ohnehin von Anfang an ihr Anliegen war) und damit nicht zuletzt auch so etwas wie eine "state of the art" für Stadionrock definierten, der bis heute Gültigkeit hat.
Von außen faszinierend zu sehen ist auch das Publikum, das sich anscheinend nur dafür interessiert, ob der Sound seit dem letzten Mal noch etwas perfekter geworden ist oder die Show noch bombastischer ausfällt.
Trotzdem ist die Utopie von Prog-Rock wohl deutlich geworden...

Anderer Meinung?